Für eine aktive, gestaltende Pflegepolitik

Anmerkungen zur aktuellen Pflegedebatte von Sonja Müllner.

Dass der neue Sozialminister Pflege als die zentrale Aufgabe seines Ressorts begreift und dazu das persönliche Gespräch im Rahmen eines Österreichkonvents mit allen „Playern“ sucht, wirkt durchaus sympathisch. Die Ergebnisse dieser Gespräche sind vermutlich vorhersehbar. Die schlechten Arbeitsbedingungen auf ArbeitnehmerInnenseite resultieren aus einer Mischung verschiedener Faktoren: unzureichender Entlohnung, keine verlässlichen Arbeitszeiten, häufige Notwendigkeit, die Abwesenheit von KollegInnen zu kompensieren, unzeitgemäße Hierarchien und wenig berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Diese Missstände haben viel mit einem überkommenen Frauenbild zu tun. Die Frau als passive Dienerin an ihren Mitmenschen, am besten für Gottes Lohn, ist nach wie vor in den Köpfen von vielen Menschen in diesem Land lebendig. Gerade in den männlich dominierten Gewerkschaften hat dieses Bild von Pflege dazu geführt, diesen Bereich nicht mit derselben Konsequenz zu vertreten, wie das in männlich dominierten Branchen der Fall ist. Um hier ein Umdenken zu bewirken, braucht es eine aktive gestaltende Pflegepolitik. Klare finanzielle Forderungen in diesem Bereich dürfen nicht länger verschämt vorgebracht werden. In einem Land mit vergleichsweise sehr hohen Steuereinnahmen ist Sparen in diesem Bereich unzulässig, weil die Folgen dieser restriktiven Politik eine mangelhafte, wenn nicht sogar fehlende Versorgung der Bevölkerung bedeuten.

Renate Bruckner hat in einem Standard Artikel zum Thema Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft Österreich darauf hingewiesen, dass die Niederlande und Schweden mehr als das Doppelte für die Langzeitpflege ausgeben. Bereits in den 1950er Jahren wurde dort die öffentliche Unterstützung systematisch ausgebaut. In Österreich hat man damit erst in den 1990er Jahren begonnen.

Forderungen nach einer Arbeitszeitreduktion bei vollem Lohnausgleich in einem Bereich mit Fachkräftemangel wirken auf den ersten Blick unlogisch. Werden brancheninterne Faktoren wie eine hohe Teilzeitbeschäftigungsquote, hohe Krankenstandszahlen, eine hohe Fluktuation und eine hohe Zahl an älteren ArbeitnehmerInnen berücksichtigt, wird die Forderung allerdings nachvollziehbar. Für teilzeitbeschäftigte MitarbeiterInnen bedeutet eine Arbeitszeitreduktion eine überdurchschnittliche Gehaltserhöhung und damit auch eine Reduktion des Risikos von Altersarmut. Die hohen Krankenstandszahlen sind zu einem nicht unwesentlichen Teil die Folge körperlicher und psychischer Überlastung. Mehr Erholungsphasen können dem entgegenwirken. Gerade ältere ArbeitnehmerInnen würden von einer Arbeitszeitreduktion profitieren und könnten damit vermutlich länger im Job bleiben.
Um von einer Mangelverwaltung zu einer gestaltenden Pflegepolitik zu kommen, braucht es vor allem Menschen, die mit Mut und Phantasie bereit sind, neue Wege zu gehen.

Als Arbeiterkammerrätin der AUGE/UG setze ich mich auch immer wieder in der Arbeiterkammer für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege ein. Zum Beispiel mit dem Antrag zur Pflege als Zukunftsberuf sowie unsere langjährige Forderung nach ausreichender Finanzierung von Pflege durch vermögensbezogene Steuern.

Die Anträge an die Arbeiterkammer Wien zu unserem gesamten Tätigkeitsfeld sind hier zu finden. Über das Menü der homepage geht es auch zu den Anträgen aus anderen Bundesländern und zu den Anträgen an die Bundesarbeitskammer.

 

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