Mit der Schließung der Straße von Hormus droht statt der erwarteten wirtschaftlichen Erholung das nächste geopolitische Krisenszenario, das bei den 2026 und 2027 folgenden Gehaltsverhandlungen zu weiteren Schwierigkeiten führen könnte.
Dabei haben die österreichischen Arbeitnehmer*innen noch zahlreiche aktuelle Kollektivvertragsabschlüsse, die nicht mehr die Werthaltigkeit der Einkommen zur Gänze sichern konnten zu verdauen. Während es in den Hochinflationszeiten in Österreich gelungen ist die Kaufkraft der Beschäftigten über erfolgreiche Verhandlungen zu erhalten, war das zuletzt nicht mehr möglich.
Drei aufeinanderfolgende Rezessionsjahre in der Industrie haben dazu geführt, dass zwar Gehaltsabschlüsse möglich waren, aber diese deutlich unter der Inflationsrate ausgefallen sind. Die schwierige Kombination aus in den Betrieben spürbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Angst vor dem Jobverlust haben zu Kompromissen am Verhandlungstisch geführt, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären.
Dieser Dammbruch hat wiederum in anderen Branchen, die besser durch die Krise gekommen sind, Begehrlichkeiten geweckt. Jetzt wollten alle Arbeitgeber:innen einen Krisenabschluss völlig entkoppelt davon, ab man sich tatsächlich in einer Krise befindet.
Besonders augenscheinlich war das in den Verhandlungen zum Kollektivvertrag der IT-Branche. Die Einbremsung des bisher hohen Wachstums wurde von den Arbeitgber:innen als Krise vergleichbar mit der Metallindustrie stilisiert. Die zähen Verhandlungen dauert über 4 Monate und wurden über 7 Runden geführt. Die IT-Beschäftigten mussten erstmals streiken und konnten zwar einen harten Krisenabschluss ähnlich manchen Industriebranchen abwehren, die Inflationsabgeltung wurde aber nicht erreicht.
Ähnlich schwierig gestalten sich die Verhandlungen im Bankensektor, der eines seiner besten Jahre der Geschichte feiert. Die Inflationsabgeltung wird derzeit aber ebenfalls verweigert, da der Bankenverband ähnlich der IT-Branche als Trittbrettfahrer bei den Krisenbranchen keine Notwendigkeit dazu sieht.
Legitimiert wird diese unfaire Vorgangsweise von der Erzählung, dass niedrige Gehaltsabschlüsse notwendig wären, um die Rückkehr der Inflation zu verhindern. Bei diesem Wirtschaftsmärchen wird völlig außer Acht gelassen, dass die Inflationskrise durch eine massive Teuerung bei den Energiekosten und in deren Windschatten durchgeführten unverhältnismäßigen Preissteigerungen im Dienstleistungsbereich ausgelöst wurde. Verbunden mit der Weigerung der Politik in Energiepreise einzugreifen und inflationsverstärkende Indexierungen zu durchbrechen, wurde die Inflation angeheizt. Die Abschlüsse in den folgenden Gehaltsverhandlungen haben nicht die Inflation ausgelöst, sondern die bereits vorhandene Inflation abgegolten, um das Leben leistbar zu halten.
Tatsächlich stehen wir wieder vor der Situation, dass steigende Energiepreise die Inflation treiben könnten. Der Apell zur Lohnzurückhaltung und damit die Kostenabwälzung auf die Arbeitnehmer:innen kann nicht die Lösung sein!
