Trotzdem gilt in Österreich nach wie vor: Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Hitzefrei.
Wer bei 35 Grad oder mehr arbeitet, kann den Arbeitsplatz nicht einfach verlassen.
Hitze ist ein Gesundheitsrisiko
Die Temperaturen steigen, Hitzewellen werden länger und häufiger. Für viele Beschäftigte bedeutet das nicht Freibad und Sommerurlaub, sondern schweißtreibende Arbeit auf Baustellen, in Werkstätten, Lagerhallen, Pflegeeinrichtungen, Küchen oder Büros ohne ausreichende Kühlung.
Extreme Temperaturen sind nicht bloß unangenehm. Sie erhöhen das Risiko für Kreislaufprobleme, Dehydrierung, Hitzekollaps, Hitzschlag bis hin zum Tod. Besonders betroffen sind Beschäftigte im Freien, ältere Arbeitnehmer:innen, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere sowie Beschäftigte in schlecht gekühlten Innenräumen.
Mit der Hitzeschutzverordnung wurden zwar Verbesserungen geschaffen. Arbeitgeber:innen müssen bei einer gefühlten Temperatur von über 30 Grad Schutzmaßnahmen ergreifen, Beschäftigte informieren und betriebliche Hitzeschutzpläne erstellen.
Doch die Realität zeigt: Viel zu oft fehlen ausreichende Kontrollen, verbindliche Grenzwerte und wirksame Pläne.
Schutzmaßnahmen dürfen nicht vom guten Willen abhängen
Arbeitgeber:innen müssen einige Maßnahmen setzen:
- Bereitstellung von ausreichend Trinkwasser
- Zusätzliche Pausen
- Vorverlegung der Arbeitszeiten
- Beschattung von Arbeitsplätzen
- Lockerung von Bekleidungsvorschriften
- Ventilatoren und Kühlmöglichkeiten
- Schutzkleidung, Sonnenschutz und Kopfbedeckungen bei Arbeiten im Freien
Dennoch erleben viele Beschäftigte, dass die wirtschaftlichen Interessen oft mehr zählen als ihre eigene Gesundheit.
Klimakrise ist auch eine Frage der Arbeitsbedingungen
Die steigenden Temperaturen sind kein vorübergehendes Sommerproblem. Sie sind eine direkte Folge der Klimakrise.
Gerade Menschen mit körperlich belastenden Tätigkeiten können der Hitze nicht einfach ausweichen. Wer auf einer Baustelle, in der Zustellung, in der Reinigung, im Gesundheits- oder Sozialbereich arbeitet, braucht verbindlichen Schutz statt liebloser Empfehlungen.
Es braucht klare gesetzliche Temperaturgrenzen für Innen- und Außenarbeitsplätze. Wird diese Grenze überschritten, müssen Arbeitszeitverkürzungen und die Einstellung der Arbeit verpflichtend erfolgen.
Ausbau der Mitbestimmung und mehr Kontrollen
Betriebsrät*innen müssen umfassende Mitbestimmungsrechte bei Hitzeschutzplänen, Arbeitszeitregelungen und Schutzmaßnahmen erhalten. Die Beschäftigten wissen selbst am besten, welche Maßnahmen tatsächlich notwendig sind.
Gesetze nützen wenig, wenn sie nicht kontrolliert werden. Deshalb braucht es mehr Personal und stärkere Befugnisse für die Arbeitsinspektion.
Gesundheit vor Profit
Die beste Hitzeschutzmaßnahme ist die Bekämpfung der Klimakrise selbst. Eine sozial gerechte Klimapolitik schützt nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit und verbessert die Arbeitsbedingungen von Millionen Beschäftigten.
Die Interessen der Beschäftigten müssen Vorrang vor kurzfristigen wirtschaftlichen Überlegungen haben. Wer bei extremer Hitze arbeitet, darf nicht zwischen Gesundheit und Einkommen wählen müssen.
Die Klimakrise verändert unsere Arbeitswelt bereits heute. Deshalb braucht es jetzt verbindliche Regeln, starke Mitbestimmung und wirksamen Schutz für alle Arbeitnehmer:innen.
Denn Gesundheit ist kein Luxus – sie ist ein Grundrecht.
