2010: So viele Arme wie noch nie

Am 16. Dezember 2011 präsentierte die Statistik Austria auf Basis der letzten EU-SILC Erhebung (2010) die aktuellen Armutsdaten für Österreich. Die Ergebnisse: während die Wirtschaftskrise keinen Anstieg von Armutsgefährdung bewirkte, nimmt „manifeste“ Armut stetig zu und erreicht 2010 einen neuen Höchststand.

Armutsgefährdung nahezu unverändert

Rund 1 Million Menschen – genau 1,004 Millionen, das sind 12 % der Bevölkerung – waren 2010 armutsgefährdet. Damit bleibt die Armutsgefährdungsrate seit 2004 nahezu unverändert. Die Armutsgefährdungsschwelle lag dabei bei einem Einpersonenhaushalt bei 1.031 Euro/Monat. Der „Lebensstandard“ der Armutsgefährdeten lag im Mittel allerdings bei rund 854 Euro (Alleinlebende) pro Monat, was einer Armutsgefährdungslücke von 17 % entspricht.

Nach wie vor von Armut besonders betroffen sind

  • Personen ohne österreichische bzw. EU-Staatsbürgerschaft (zu 31 % betroffen)
  • alleinlebende Frauen in Pension (26 %)
  • Personen in Ein-Eltern-Haushalten (28 %)
  • Haushalte mit Langzeitarbeitslosen (29 %)
  • und Haushalte mit mehr als zwei Kindern (14 %)

Für rund die Hälfte aller Armutsgefährdeten besteht über 3 Jahre hindurch ein „chronischer Einkommensmangel“. Erwerbsarbeit gilt nach wie vor der wichtigste Schutz vor Armut: die Gefährdungsquote bei 2009 Vollzeit erwerbstätigen Personen lag bei 4 %. Bei Personen, die mehr als sechs Monate Arbeitslos waren, betrug die Armutsgefährdung das Zehnfache!

Armut in Österreich – neuer Höchststand

Im Jahr 2010 erreichte die Zahl jener in Österreich lebenden Personen, welche als „manifest arm“ gelten einen traurigen Rekord: lag die Zahl der Armen 2005 noch bei 344.000 Personen, stieg diese von 488.000 Armen im Jahr 2009 auf 511.000 manifest in Armut Lebende im Jahr 2010. Manifest arm sind dabei armutsgefährdete Personen, die zusätzlich finanziell „depriviert“ sind, die also ihre Grundbedürfnisse finanziell nicht mehr ausreichend decken können.

Als finanziell depriviert gilt, wenn aus einer Liste von sieben Merkmalen für einen „absolut notwendigen Mindestlebensstandard“ mindestens zwei nicht leistbar sind. Diese sieben Merkmale sind:

  • die Wohnung angemessen warm halten
  • regelmäßige Zahlungen (Miete, Strom) rechtzeitig begleichen können
  • notwendige Arzt- oder Zahnarztbesuche in Anspruch nehmen können
  • unerwartete Ausgaben finanzieren (z.B. Reparaturen)
  • neue Kleidung kaufen
  • jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder einen vergleichbare vegetarische Speise essen
  • einmal im Monate Freunde oder Verwandte zum Essen einladen

Unter den Armutsgefährdeten kann sich etwa die die Hälfte (51 %) – das sind 6,2 % der Bevölkerung – einen für Österreich „absolut notwendigen Mindestlebensstandard“ nicht leisten.

1,5 Millionen Ausgrenzungsgefährdete

1,5 Millionen Menschen – das sind 17 % der österreichischen Gesamtbevölkerung – galten 2010 als „ausgrenzungsgefährdet“ (Definition nach Europa 2020-Strategie). Ausgrenzungsgefährdet ist, wer entweder armutsgefährdet, erheblich „materiell depriviert“ ist oder in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsintensität (nahezu Erwerbsarbeitslosenhaushalt) lebt.

Link:

Pressemitteilung der Statistik Austria

Studienergebnisse der Statistik Austria mit Tabellen/Statistiken sowie Bericht als Download

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