AK Unternehmensmonitor 2017: Gute wirtschaftliche Entwicklung, Schieflage bei Verteilung

Was gelesen werden sollte: Der „Unternehmensmonitor 2017“ der Arbeiterkammer.

Die Arbeiterkammern Wien, NÖ und OÖ untersuchen in diesem die wirtschaftliche Entwicklung von rund 900 Kapitalgesellschaften (AG und GmbH) mit rund 640.000 Beschäftigten – d.s. rund 18 % aller unselbständig Beschäftigter. Interessant dabei insbesondere die Gewinnentwicklung, der Produktivitätsfortschritt – und wie sich dieser auf ArbeitnehmerInnen und EigentümerInnen verteilt, die Gewinnausschüttung aber auch, wie viel denn an Steuern gezahlt wird.

Die Ergebnisse:
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1. Gewinnspanne: Die Gewinnspanne – EBIT-Quote, Verhältnis Betriebsergebnis („Gewinn“) in Prozent der Betriebsleistung („Umsatz“) – hat 2015 4,43 Prozent betragen. D.h.: über 4 Euro von 100 Euro Umsatz waren Gewinn. Seit 2013 ist der Gewinn von 3,83 auf 4,43 gestiegen. Mehr als ein Viertel der Unternehmen erwirtschaften einen EBIT von 7,3 %, jedes 20. Unternehmen schreibt allerdings seit 20 Jahren Verluste. Fast zwei Drittel aller Unternehmen haben allerdings einen Anstieg der Gewinne zu verzeichnen.
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2. Die Eigenkapitalrentabilität – also die „Verzinsung“ des eingesetzten Eigenkapitals der Investoren bzw. Eigentümer (Gewinn in Prozent des Eigenkapitals) lag 2015 bei 12,31 % – und ist seit 2013 um 1,3 Prozentpunkte gestiegen. Angesichts der derzeitigen Niedrigst-Zinslandschaft zeigt sich, wie vorteilhaft es für die EigentümerInnen ist, ins Unternehmen zu investieren.
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3. Zurückhaltend sind die Unternehmen leider immer noch bei den Sachinvestitionen. Diese sind seit 2013 bis 2015 leider noch einmal geringfügig gesunken und betragen nur 4,5 % des Umsatzes. D.h. bei einem Umsatz von 100 Euro werden nur 4,5 Euro in Sachanlagen investiert.
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4. Nach wie vor anhaltend hoch sind die Gewinnausschüttungen an die EigentümerInnen, auch wenn diese gegenüber 2013 bis 2015 zurückgegangen ist: 2015 wurden fast drei Viertel – nämlich 72 % der Gewinne an die AktionärInnen und EigentümerInnen ausgeschüttet. 2014 waren es sogar 94 %! Kein Wunder dass die Investitionstätigkeit bei derartigen Ausschüttungen zurückhaltend ist. Die Höhe der ausgeschütteten Gewinne beträgt gemessen an der Lohn- und Gehaltssumme über ein Drittel der Einkommen der ArbeitnehmerInnen.
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5. Während die Produktivität bzw. Wertschöpfung – also die Leistung pro ArbeitnehmerIn – von 2013 bis 2015 um 3,5 % gestiegen ist, sind die Bruttolöhne um lediglich 2,5 % angewachsen. Das führt zu einer Umverteilung zugunsten der EigentümerInnen, während der Druck auf die Beschäftigten immer weiter zunimmt.
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6. Denn: die Zahl der Beschäftigten ist nämlich um lediglich rund 6.100 Jobs – um weniger als 1 % der Beschäftigten der Betriebe – gestiegen. In knapp der Hälfte der Unternehmen gingen sogar Arbeitsplätze verloren. Die gute wirtschaftliche Entwicklung hat also nicht zu einem entsprechenden Zuwachs an Arbeitsplätzen geführt.
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7. Auch wenn der Steuersatz auf Gewinne – nominell – bei 25 % liegt: real – also effektiv – wurden nur 19,9 % an Gewinnsteuern bezahlt. Die großen Industriebetriebe zahlten 2015 mit 17,6 % noch weniger an Gewinnsteuern. Werden die Gewinnsteuern zum Umsatz gesetzt, dann liegt bei den großen Kapitalgesellschaften der Gewinnsteueranteil bei gerade einmal bei 1,26 %.
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Einmal mehr zeigt sich: Es gibt Nachholbedarf bei der Steuergerechtigkeit. Und statt über eine weitere Ausweitung von Arbeitszeiten unter dem Titel der „Flexibilisierung“ – Stichwort 12-Stunden-Normalarbeitstag – zu phantasieren braucht es angesichts nach wie vor hoher Arbeitslosigkeit und nur schwach steigender Beschäftigung endlich Maßnahmen zu einer gerechteren Verteilung von Arbeit und Einkommen: durch den Abbau von Überstunden und Arbeitszeitverkürzung. Spielraum dafür gibt es ganz offensichtlich. Und dafür zahlt sich’s aus zu kämpfen.
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PS: Ob vielleicht u.a. auch derartige Analysen Grund dafür sind, warum die Arbeiterkammern bei FPÖ, NEOS, Industriellenvereinigung und Teilen der ÖVP so unbeliebt sind?
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Link: AK Unternehmensmonitor 2017

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