COP26: Es ist nicht alles schlecht …


Stefan Steindl, AUGE/UG

COP26: Es ist nicht alles schlecht …

Vom 31. Oktober bis 13. November 2021 fand in Glasgow die Weltklimakonferenz statt. Es war die 26. Konferenz der „Conference of the Parties“ (COP). 25.000 Delegierte aus fast 200 Ländern trafen sich in Glasgow. Viel Kritik wurde an der Klimakonferenz laut, aber bei aller Kritik: Vorsichtig kommt Hoffnung auf, dass wir die Klimaziele doch noch erreichen können.

Ein Desaster?

Tatsächlich wäre es leicht, die Klimakonferenz als „Misserfolg“ zu bezeichnen. Zu schwammig viele Aussagen, der russische Präsident oder chinesische Ministerpräsident kamen erst gar nicht, eine der größten Delegationen bestand aus Vertreter*innen der fossilen Konzerne. Klimaaktivist*innen hatten – pandemiebedingt – nur erschwert Zugang zur Konferenz. Die abschließende Resolution zum Kohleausstieg wurde durch Interventionen aus Indien und China abgeschwächt. Und dass alles vor dem Hintergrund, wütender, notwendiger, wichtiger Proteste für besseren Klimaschutz.

Hoffnung?

Und auch wenn man diesen genannten Punkten durchaus allen zustimmen kann, so gibt es doch Erfolge. Wie etwa die Verpflichtungen gegen Entwaldung vorzugehen und zu einer schnellen Reduzierung der Methanemissionen.

Die schnelle Reduktion der Methanemissionen ist deswegen so wichtig, weil Methan ein sehr starkes, aber auch ein relativ kurzfristig wirksames Treibhausgas ist (es verbleibt etwa 10 Jahre in der Atmosphäre). Während Kohlendioxid über eine sehr lange Zeit in der Atmosphäre verbleibt. Ein Eingriff in die CO2-Emissionen ist also nur langfristig bemerkbar, während die Reduzierung der Methanemissionen sehr rasch Wirkung auf die Erderwärmung zeigen würde.

Das ist deswegen notwendig, weil in den kommenden Jahren andere Luftschadstoffe (wie etwa Schwefeldioxid und andere für den Sauren Regen verantwortliche Schadstoffe) in der Atmosphäre weiter abnehmen (dank vergangener Umweltschutzerfolge, wie etwa die Rauchgasentschwefelung). Schwefeldioxid hat aber eine kühlende Wirkung auf die Atmosphäre, wenn also diese Luftschadstoffe abnehmen, ist das ein zusätzlicher Boost für die Erderwärmung. Eine schnelle Reduktion der Methanemissionen kann dem entgegenwirken.

COP26

Die Senkung der Methanemissionen als eines der Schlüsselelemente im Kampf gegen den Klimawandel und für eine 1,5°C-Welt, ist auch eine Konsequenz aus den Erkenntnissen des neunen Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC. (Punkt C.1.2, https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2020/07/SR1.5-SPM_de_barrierefrei.pdf)

Die abschließende COP26-Erklärung beinhaltet erstmals eine Verpflichtung zum schrittweisen Abbau der Nutzung von Kohle und dem Ende ineffizienter Subventionen für fossile Brennstoffe. Die von Indien und China beanspruchte Abschwächung (aus „phase out“ wurde ein „phase down“) hinterlässt einen schalen Nachgeschmack und muss zurecht scharf kritisiert werden.

Herauszustreichen ist die Initiative „Beyond Oil and Gas Alliance“. Gegründet u.a. von Dänemark. Dänemark war bis 2019 der größte Ölproduzent in der Europäischen Union und wird auf die riesigen Ressourcen in Grönland verzichten.

Die vielleicht größte Überraschung war die Ankündigung von USA und China sich zu verstärkten Klimaschutzmaßnahmen zu verpflichten. Auch wenn noch sehr wenig über diese Vereinbarung bekannt ist, so steigen die Chancen, dadurch die Klimaschutzziele einhalten zu können. Zur Erinnerung das 1,5°C-Ziel war eine notwendige Nachbesserung des 2°C-Zieles. Dass es überhaupt zum 1,5°C-Ziel beim Pariser Klimaabkommen 2015 kam, war einer Einigung zwischen USA und China 2014 geschuldet. (https://qz.com/2087935/john-kerry-xie-zhenhua-ties-yield-us-china-cop26-progress/)

Erstmals unter 2°C

Die auf dem Cop26- Klimagipfel in Glasgow erfolgten Zusagen würden den globalen Temperaturanstieg auf unter 2 °C begrenzen. Erstmals liegen wir damit in unmittelbarer Reichweite des 1,5°C-Zieles. (https://www.theguardian.com/environment/2021/nov/03/cop26-emission-pledges-could-limit-global-heating-to-below-2c-india)

Alles gut?

Nein, natürlich nicht! Es war stets so, dass die Nationen groß im Ankündigen waren, aber schlecht in der Umsetzung (der sogenannte „implementation gap“). Das 1,5°C-Ziel ist weiter machbar, allerdings muss die Zivilgesellschaft, ob nun Friday for Future oder andere Protestbewegungen, müssen Gewerkschaften diese Ziele strikt einfordern. Es geht um unsere Zukunft, es geht um eine bessere Zukunft..

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