Das System Schlecker

Eine Befragung der Beschäftigten durch die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) ergab – wie auch schon aus Deutschland bekannt – katastrophale Arbeitsbedingungen bei der Drogeriekette Schlecker.

Die traurigen „Highlights“ daraus:

Einkommen und Arbeitszeit:

  • Beschäftigte berichten, dass sie jederzeit für Mehrarbeit zur Verfügung stehen müssen. Jede/r dritte Befragte hat angegeben, dass sie regelmäßig mehr Stunden arbeiten muss als vereinbart ist und dennoch der Arbeitsvertrag vom Dienstgeber niedrig gehalten wird.
  • Fast die Hälfte aller Befragten hat angegeben, dass die Lage der Arbeitszeit einseitig angeordnet wird. Z. T. auch in mehreren Diensten am selben Tag, die zeitlich nicht zusammenhängen.
  • Ca. ein Drittel der Befragten gibt an, dass die vertraglichen Wochenstunden der ohnehin überwiegend Teilzeit-Beschäftigten ohne Abstimmung mit den Beschäftigten oft noch hinuntergesetzt werden – unter entsprechenden finanziellen Verlusten. Als „Alternative“ wird Kündigung angedroht.
  • Eine Betriebsvereinbarung sieht entgegen der gesetzlichen Regelung vor, dass die Mehrarbeit nur 1:1 in Zeitausgleich ausgeglichen wird. Das bedeutet ebenfalls einen enormen finanziellen Verlust. Der Zeitraum für den Zeitausgleich dürfte vielfach auch von der Führung vorgegeben werden.
  • Knapp die Hälfte aller Befragten gibt an, dass sie nicht – wie gesetzlich vorgesehen – nur jeden zweiten Samstag arbeiten müssen, sondern haben auch den folgenden Samstag nicht frei.

Arbeitsdruck und Sicherheit

  • 76 % der Befragten gaben an, dass sie nach Verlassen der Filiale kontrolliert werden. Obwohl derartige Maßnahmen klare Eingriffe in die Persönlichkeitssphäre bedeuten und überhaupt nur unter sehr strengen rechtlichen Auflagen und auch dann nur sehr eingeschränkt möglich sind, scheint es Teil der Unternehmenskultur zu sein, die Beschäftigten grundsätzlich zu verdächtigen und unter Druck zu setzen.
  • Vielfach geben die  Beschäftigten an, dass sie angehalten werden, abgelaufene Ware zum Vollpreis zu kaufen, damit sich Schlecker die Abschreibung erspart. Der Druck auf die Erfüllung von Verkaufszielen dürfte sogar soweit gehen, dass MitarbeiterInnen und ihre Familien Bestellungen tätigen, die sie nicht brauchen, nur um Ermahnungen und in der Folge angedrohten Kündigungen zu entgehen.
  • Die fast ausschließlich weiblichen Beschäftigten, die fast immer alleine im Geschäft sind, machen sich Sorgen, überfallen zu werden und können oft auch kaum auf die Toilette gehen. Notwendige dienstliche Telefonate müssen am Privathandy geführt werden, weil das Diensttelefon teilweise gesperrt ist.

aus der Presseunterlage der GPA-djp

O-Töne über die Zustände am Arbeitsplatz Schlecker finden sich in der von der GPA-djp eingerichteten Schlecker-Erfahrungsbörse.

Die GPA-djp hat nun die Sozialpartnerliche Schlichtungsstelle angerufen.

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