Freiheitliche Arbeitnehmer: Sensible Hetzer

Mehr hat es nicht gebraucht. „Rote AK unterstützt grüne Hetzpropaganda gegen Freiheitliche“ tobte der Bundesobmann der Freiheitlichen Arbeitnehmer – der Rechtsableger selbiger Partei in der AK – in einer Pressaussendung. Der Grund: Die AUGE/UG veranstaltete einen Infoabend über „Freiheitliche Sozialpolitik“ und deren immanent rassistischen – und dümmlichen – Charakter.

Man/frau erinnere sich nur an so grandiose Ideen wie die eigenen Krankenversicherung für „AusländerInnen“ mit entsprechend reduziertem Leistungsangebot. Oder die Ausweitung der Saisonierregelung – also noch mehr Lohn-, Sozial- und Arbeitsrechtdumping mit daraus resultierendem Druck auf reguläre Arbeitsverhältnisse. Ideen, die der „sozialen Heimatpartei“ in gewisser Regelmäßigkeit einfallen. Stets begleitet von falschen Zahlen und Behauptungen die keiner Überprüfung standhalten. Praktisch Standard freiheitlicher Politik. (Mehr zur Sozialpolitik der FPÖ auf Stoppt die Rechten).
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Programmatisches Elend hat eine Farbe – dunkelblau
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Grund genug, dass Rösch dunkelrot und linksgrün sieht und sich empört über die „Hetzpropaganda“ zeigt und gleichzeitig von „mangelnden Inhalten“ der AUGE/UG fantasiert. Nun, wer ein Programm der Freiheitlichen ArbeitnehmerInnen sucht, wird nicht wirklich was finden, das diesen Namen auch verdient. Wenn Freiheitliche weder in der Lage sind, das Wahlprogramm, noch das über 90-seitige Programm der AUGE/UG zu finden, spricht weniger für mangelnde Inhalte in linksgrün als für bescheidene Kenntnisse in rechtsblau im Umgang mit  „modernen“ Technologien wie dem Internet – ist es ja doch erst rund ein Viertel Jahrhundert alt. Und selbst wenn ihnen das zu anspruchsvoll sein sollte, gibt es immer noch die AUGE/UG-Programmatik „Kurz und Bündig“ aufbereitet. Das Programm also gleich in einer Dreifachversion – für jede/n etwas! Doch selbst daran dürften Rösch und Co scheitern …
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Übliche Opfer-Täter-Umkehr
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Nun, das blaue Gehabe ist nichts Neues: heftig Austeilen, möglichst unter der Gürtellinie, aber dann, wenn es Reaktionen gibt, sich selbst bemitleiden. Ob der bösartigen Ausgrenzung der noch bösartigeren Anderen. Blaue Schlechtmenschen sind sensibel. Es ist das ewig gleiche, peinliche Schauspiel rechtsrechter Memmen, die sonst so gerne ihrer Männlichkeit rühmen  – zuletzt in ihrem Wahlkampfspot zur AK-Wahl. Ein Filmchen zum Fremdschämen …

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Mit „Hetze“ kennen sich die Freiheitlichen also bestens aus. Mit „Hetze“ sollte sich auch ein Bernhard Rösch auskennen, ist Obersensibelchen in rechtsblau doch nicht nur Bundesobmann der FA sondern auch Mitglied einer schlagenden Burschenschaft.
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Rösch und die Burschenschaft „B! Gothia“: Antisemit Schönerer in Ehren ...

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gothia
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Bernhard Rösch ist Mitglied der schlagenden Burschenschaft „B! Gothia“. Diese Burschenschaft hält unter anderem ein ehemaliges Mitglied in Ehren: Georg von Schönerer. Dieser feine Herr Schönerer  war seit 1879 Führer der Deutschnationalen Bewegung (Alldeutsche) in Österreich und zeichnete sich durch einen besonders radikalen Antisemitismus und eine völkisch-germanische Ideologie aus. In Wikipedia findet sich etwa dazu:

„Seine Alldeutsche Bewegung verlangte 1900 im Parlament, eine Prämie für jeden ’niedergemachten‘ Juden auszusetzen. Schönerer verkündete damals völkisch-antisemitsche Parolen wie durch Reinheit zur Einheit – Ohne Juda, ohne Rom/wird gebaut Germaniens Dom oder Die Religion ist einerlei/im Blute liegt die Schweinerei.“

Schönerer verlangte die Entfernung von Juden aus dem Staatsdienst, aus Schulen, Universitäten, Vereinen, Zeitungen. In einer von ihm verfassten „Antisemitischen Petition“ warnte er vor einer „nationalen Umwandlung“ durch die slawischen, insbesondere aber durch die  jüdische Unterwanderung. In der Petition heißt es u.a.:

„Durch das Slawentum könnte der deutsche Charakter unseres Landesteils bedroht werden, durch das Judentum ist die Gefahr noch größer, denn dieses orientalische Volk trachtet unser heimisches Volk zu entnationalisieren.“

Wenig verwunderlich, dass Schönerer von den Nationalsozialisten glühende Verehrung erfuhr. Der nationalsozialistische Schriftsteller Otto Henke hob etwa die Bedeutung des Einflusses Schönerers auf Hitler hervor („Die Ahnenheimat des Führers wurde durch Georg Ritter von Schönerer zur Geistesheimat des erbitterten Kampfes gegen das Judentum.“). Der Nationalsozialist Rudolf Lochner schrieb 1942 von  Schönerer als einem „der leidenschaftlichsten Deutschen“ und nach Bismarck und Hitler „größte(n) deutschen politischen Erzieher“. Die große Philosophin Hannah Arendt sprach entsprechend von Schönerer als „geistigen Vater“ Hitlers.
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Das einmal zu den Geehrten im freiwillig gewählten burschenschaftlichen Umfeld des Bernhard Rösch.
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… doch damit nicht genug
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Noch ungeheuerlicher wird es allerdings, wenn man einen Blick in das Kapitel der Geschichte der Gothia auf ihrer Homepage wirft. Dort heißt es:

„Die Pflege der Säbelfechtkunst für den „Ernstfall“ führte mit der Zeit zum Missbrauch des Säbels als Mensurwaffe. Aus diesem Grunde führte Gothia im Februar 1905 das konservative Prinzip und damit die Bestimmungsmensur auf Schläger ein. Am 15. Mai 1905 erklärte sie sich zur Burschenschaft und trat bereits am darauffolgenden Tag in den Wiener DC ein. Im WS 1908/09 übernahm sie zum ersten mal den Vorsitz. Auf den Burschentagen von 1919 vertrat Gothia durch ihren AH Pichl vehement und schließlich mit Erfolg den den Zusammenschluss mit der Deutschen Burschenschaft. In diesem Dachverband sah Gothia ihre Aufgabe vor allem in der Durchsetzung der ostmärkischen Grundsätze und der sog. „Waidhofener Grundsätze“.“

Interessant ist hierbei insbesondere der letzte Satz und die Bezugnahme auf die „Waidhofener Grundsätze“ deren Durchsetzung der volle Stolz der Gothia zu sein scheint. Was da durchgesetzt wurde lässt einen regelrecht erschaudern. In diesen wird Juden u.a. grundsätzlich jede Ehre und Satisfaktionsfähigkeit (zitiert nach Arthur Schnitzler) abgesprochen:

„Jeder Sohn einer jüdischen Mutter, jeder Mensch, in dessen Adern jüdisches Blut rollt, ist von Geburt aus ehrlos, jeder feineren Regung bar. Er kann nicht unterscheiden zwischen Schmutzigem und Reinem. Er ist ein ethisch tiefstehendes Subjekt. Der Verkehr mit einem Juden ist daher entehrend.; man muss jede Gemeinschaft mit Juden vermeiden. Einen Juden kann man nicht beleidigen, ein Jude kann daher keine Genugtuung für erlittene Beleidigung verlangen.“

Bernhard Rösch kennt diesen Passus. Bernhard Rösch kann sich nicht auf „Unwissenheit“ berufen. Bernhard Rösch wurde mit diesem Passus im Rahmen einer AK-Vollversammlung von der AUGE/UG konfrontiert. Reaktion: gegen Null gehend.
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Muss noch mehr gesagt werden?
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Ja, eines vielleicht noch: in seiner Presseaussendung vergisst Rösch nicht, auf das FA-Spiel „Stoppt die Roten“ hinzuweisen. Bei diesem Spiel – grafisch nicht weniger erbärmlich als die Programmatik der FA – geht es darum, „rote“ Fresser in blauen Löchern verschwinden zu lassen. Mit etwas „Glück“ soll angeblich auch Kaske und Hundstorfer vom blauen Loch verschluckt werden können. Wahrlich sensible Geschöpfe diese Rechtsblauen. Schlechtmenschen halt.

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Linktipp: Stoppt die Rechten

Kommentar zu „Freiheitliche Arbeitnehmer: Sensible Hetzer“

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