MetallerInnenrunde 2013: Auf der Straße

MetallerIn den letzten Tagen fanden in rund 300 Betreiben Betriebsversammlungen statt. Heute wird vor den Unternehmen der „Chefverhandler“ der Arbeitgeberseite demonstriert, bevor es morgen an eine neue Verhandlungsrunde geht. Denn: was bisher von den Arbeitgebern kam, kann nur als  Kampfansage verstanden werden.
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Die verhandelnden Gewerkschaften – die PRO GE für den ArbeiterInnenbereich, die GPA-djp für die Angestellten waren hinsichtlich ihrer Forderungen klar: 100 Euro plus, mindestens 3,4 %.
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Eine starke Ansage: Mindesteinkommen und damit Kaufkraft würden deutlich gestärkt, Einkommen armutssicher gemacht. Nicht nur die Binnennachfrage würde so mitten in der Krise stabilisiert, es würden auch niedrige Löhne in einem exportorientierten Land  wie Österreich deutlich aufgewertet –  ein Beitrag zu einem Abbau „wirtschaftlicher Ungleichgewichte“ in Europa (Über die Bedeutung von Löhnen, Gehältern und Binnenachfrage für Entstehen und Überwindung der Krise in Europa siehe Beitrag im AK-Blog Arbeit und Wirtschaft). Was von der Arbeitgeberseite kam, kann dagegen bestenfalls als Zumutung bezeichnet werden.

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Unzumutbares Angebot

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Lohnerhöhungen unter der Inflationsrate 2 % maximal 70 Euro), keine Anhebung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne. Damit würden Mindestlöhne und „Ist“-Löhne weiter auseinander gehen. Zusätzlich ergäbe diese Lohnerhöhung einen Reallohnverlust: während in anderen Branchen eine Inflationsrate von zumindest 2,3 % als Verhandlungsbasis von den Arbeitgebern akzeptiert wurde, wollen die Verhandler auf Wirtschaftsseite von einer derartigen Inflationsrate nichts wissen. Anscheinend gelten für die Beschäftigten der Metallindustrie andere Preise als für die ArbeitnehmerInnen des Handels …
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Die verweigerte Anhebung kollektivvertraglicher Mindestlöhne ist natürlich vollkommen inakzeptabel und stellt einen massiven Angriff auf die Bedeutung von Kollektivverträgen und KV-Verhandlungen dar. Gerade auch in Zeiten, wo kollektivvertragliche Mindestlöhne immer mehr an Bedeutung gewinnen, weil mehr und mehr nur noch nach KV bezahlt wird und KV-Überzahlungen  in der schönen, neuen Arbeitswelt  längst nicht mehr Regel sind.
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Unternehmerisches Risiko soll auf ArbeitnehmerInnen abgewälzt werden
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Zusätzlich zu ihrem großzügigen Angebot fordern die Arbeitgeber eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten: Auf ein Zeitkonto sollen Zeitschulden bzw. -guthaben von bis zu 167,4 Stunden ermöglichen. In einer Aussendung der Gewerkschaften heißt es dazu:

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Mehrarbeitsstunden sollen ohne jeglichen Zuschlag auf das Konto verbucht werden. Im Kollektivvertrag soll es keine Begrenzung des Durchrechnungszeitraumes geben. „Die Beschäftigten sollen den Unternehmen einen Kredit in Höhe eines Monatseinkommens gewähren. Das sind Lohn- und Gehaltskürzungen durch die Hintertür. Dagegen werden sich die Beschäftigten und ihre BetriebsrätInnen gemeinsam mit den Gewerkschaften zur Wehr setzen“, sagen Wimmer und Proyer.

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Betriebsversammlungen und Demonstrationen
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Fanden in den letzten Tagen in Österreichs Metallerbetrieben Betriebsversammlungen statt, wird heute vor den Unternehmen der Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite (Fachgruppe Maschinen- und Metallwarenindustrie) demonstriert. Kundgebungen finden derzeit vor der Firma Mosdorfer in Weiz sowie vor der Firma Rupert Fertinger in Wolkersdorf statt. Ab 12.45 ist die Firma Collini in Hohenems dran. Nach ersten Berichten ist der  Zulauf zu den Demonstrationen ist groß.
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Ob weitere Kampf- und Protestmaßnahmen folgen, wird wohl vom Ergebnis der morgigen Verhandlungsrunde abhängen. Dass die Angestellten und ArbeiterInnen im MetallerInnenbereich streikfähig sind, haben sie bereits bewiesen. Wir senden den KollegInnen jedenfalls ein solidarisches „Glück auf!“. Ihr Kampf für höhere Löhne und Gehälter sowie für menschenwürdige Arbeitszeit- und Lebensbedingungen ist nicht zuletzt aufgrund der Leitfunktion der MetallerInnenverhandlungen ein Kampf für alle ArbeitnehmerInnen in diesem Land!
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Links:
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Gewerkschaft PRO GE: Herbstlohnrunde 2013, alles rund um die Verhandlungen und Proteste
Gewerkschaft GPA-djp: Zu den KV-Verhandlungen Metallindustrie

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