Ungleichheit macht unglücklich

Zu diesem Ergebnis kommen laut ORF Science Shigehiro Oishi und KollegInnen von der Universität Virginia in einer entprechenden Studie, die im Journal „Psychological Sciences“ veröffentlicht wurde. Je höher der Einkommensunterschied, desto unglücklicher und unzufriedener wird – laut dieser Studie – (fast) jeder. Ausnahme, allerdings wenig überraschend: nur die bestverdienenden 20 Prozent sind von dieser Unzufriedenheit bzw. von diesem „Unglück“ ausgenommen.

Interessant dabei: Die persönliche Unzufriedenheit steigt nicht einmal unbedingt, wenn das eigene Einkommen sinkt, sondern wenn die Einkommensverteilung insgesamt als immer ungerechter empfunden wird. Das Resumee: „Geht es allen gut, geht es auch dem einzelnen gut.“

Wilkinson/Picket:  Gleichheit macht glücklich!

Die Erkenntnis, wonach Ungleichheit unglücklich macht ist keineswegs neu, kann allerdings nicht oft genug betont werden. In einer vielbeachteten Studie – die auch als Buch erschienen ist (Richard Wilkinson und Kate Pickett: Gleichheit ist Glück. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind, eine ausführliche Zusammenfassunge auf dem Blog von Robert Misik) – stellten die beiden SoziologInnen bereits fest, dass „gleichere“ Gesellschaften „glücklicher“ sind: Gesellschaften mit einem hohen Grad an Ungleicheit haben eine geringere Lebenserwartung, ungesündere BürgerInnen, ein niedrigeres allgemeines Bildungsniveau, eine höhere Kriminalitätsrate, einen höheren Grad an psychischen Erkrankungen. Derarige Zustände in einer Gesellschaft machen Stress, Angst und Druck, machen krank, machen „unglücklich“. „Gleichere“ Gesellschaften sind dagegen signifikant weniger von derartigen Problemen betroffen, was in ihr lebende Menschen entsprechen „glücklicher“ macht. Pickett in einem Interview mit der taz :

„Wir haben uns angeschaut, wie sich die Einkommensverteilung in 21 reichen Industrieländern auf diese Probleme auswirkt. Und wir haben herausgefunden, dass Länder, in denen die Kluft zwischen Arm und Reich gering ist, durchweg besser abschneiden (…) Wenn man den Quotienten der Einkommensungleichheit in einem Land kennt, weiß man ziemlich genau, wie sehr es von all diesen sozialen Probleme betroffen ist.“


Und der online Nachrichtendienst heise.de dazu:


Mehr Gewalt, mehr Gefängnisinsassen, mehr Teenagerschwangerschaften, schlechtere Schulabschlüsse, weniger soziale Mobilität – all dies zeigte sich deutlich in Ländern, in denen die Einkommensunterschiede groß sind. Hervorgehoben wird von Pickett zudem, dass sich Ungleichheit auf alle, Arm und Reich, negativ auswirken würde.

Unerwartet: Chefökonom der Financial Times Deutschland gegen Niedriglohnsektor

Schützenhilfe erhielt die Argumentation für mehr soziale Gleichheit – eher unerwartet – vom „Chefökonomen“ der Financial Times Deutschland, Thomas Fricke. In seiner Kolumne sprach er sich hinsichtlich der Einkommenspolitik dafür aus, sich eher an „gleicheren“ skandinavischen Ländern, als an der „ungleicheren“ USA zu orientieren: seien auch die US-Amerikaner „im Schnitt reicher“, so hätten diese dennoch mehr Probleme, als „egalitärere“ Länder, wird Fricke auf heise.de zitiert:

„Kein Land muss so viel Geld mobilisieren, um seine Krankheiten zu kurieren. Zudem sind Menschen in egalitäreren Ländern offenbar innovativer. Pro Kopf wird in nordischen Ländern an Patenten ein Vielfaches von dem angemeldet, was die USA verzeichnen, wo mangels Sozialvertrauens auch die Bereitschaft geringer ist, etwas für das Allgemeingut Umwelt zu tun – die Recyclingquote ist in Skandinavien ebenfalls höher.“

Hinsichtlich des immer wieder – gerade auch in der BRD – geforderten Ausbaus des Niedriglohnsektors erscheint es Fricke

„…ökonomisch fraglich, ob es – im wahren Sinne – gesund wäre, noch mehr Niedriglohnjobs zu schaffen: wenn so zwar der ein oder andere Job geschaffen wird, dafür aber die Lebenserwartung sinkt, mehr Säuglinge sterben und bald nur noch psychische Problemfälle durchs Land laufen. Da könnte es per saldo lohnen, das Geld in bessere Jobs zu stecken.“

Eine Empfehlung, die auch für Österreich gilt.

 

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