Vermögensverteilung in der EU: Eine Frage der „Klasse“ …

Vermögen sind ungleich verteilt. In ganz Europa. In Österreich dabei noch ungleicher. Und: Vermögen verteilt sich auch nach Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen. Wer in der richtigen „Klasse“ ist, besitzt mehr. Deutlich mehr …

Nun liegen auch die EU-weiten Daten zur Vermögensverteilung vor. Die aktuelle Studie der EZB bestätigt dabei einmal mehr die massive Ungleichverteilung bei den Vermögen – quer über Europa. Die reichsten 5 % der Haushalte in der Eurozone besitzen im Durchschnitt 37 % des gesamten Nettovermögens, die „untersten“ 50 % – also die „ärmere“ Hälfte der europäischen Bevölkerung im Euroraum – dagegen nur über 6 %.

Selbständige doppelt so reich wie ArbeitnehmerInnen

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Die EZB-Daten weisen zusätzliche deutliche Unterschiede bei der Vermögensverteilung zwischen den „sozialen“ Gruppen aus, etwa die Vermögenssituation von ArbeitnehmerInnen und von Selbständigen. Selbständige halten EU-weit ein Realvermögen (z.B. Immobilienbesitz) von 276.400 Euro (Medianwert), ArbeitnehmerInnen dagegen von nur 134.600 Euro. Bei den Finanzvermögen stellt sich das Bild nicht wesentlich anders dar: Selbständige verfügen über ein Geldvermögen – darunter auch Sparkonten – von 22.600 Euro (auch hier der Medianwert), ArbeitnehmerInnen von 11.500 Euro. Selbständige besitzen also doppelt so viel wie ArbeitnehmerInnen.

EU ist ungleich. Österreich ist ungleicher

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Ist die Vermögensverteilung innerhalb der EU auch ungleich. In Österreich ist sie noch ungleicher. Hier erfreuen sich die Top-5 % – also die reichsten Haushalte – gleich über 45 % des Vermögens, während die „untersten“ 50 % zusammen über weniger als 4 % an Vermögen verfügen. Österreich weist in der EU die zweitgrößte Ungleichverteilung bei denVermögen aus. Und wird dabei nur noch von Deutschland getoppt. Was für Österreich fehlt: die Vermögensverteilung nach sozialen Gruppen. Wie die allerdings annäherungsweise auch in Alpenrepublik ausschauen könnte – darüber gibt die Vermögensstudie der Deutschen Bundesbank Anhaltspunkte.

Vermögen? Eine Frage der „Klasse“

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Und diese Studie hat es in sich, gliedert sie doch den Vermögensbesitz nach einzelnen sozialen Gruppen auf – darunter  Selbständige, ArbeiterInnen und Angestellte. Die Ergebnisse (Nettovermögen, Haushalt, jeweils Medianvermögen, 50 % besitzen mehr, 50 % besitzen weniger):
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  • Selbständigenhaushalte verfügen in Deutschland über ein Vermögen von 210.450 Euro.
  • Beamte besitzen schon deutlich weniger – allerdings immer noch 128.020 Euro.
  • Angestellte halten schon nur noch weniger als ein Drittel der Selbständigen – nämlich ein Vermögen von 62.140 Euro.
  • Bei den ArbeiterInnen stellt sich die Vermögenssituation noch schlechter dar – sie nennen ein Nettovermögen von gerade einmal 26.950 Euro ihr eigen – ein Siebtel der Selbständigen.
  • Deutsche PensionistInnenhaushalte besitzen immerhin 74.610 Euro.
  • Geradezu desaströs – aber zu erwarten, Hartz IV lässt grüßen –  die Vermögenssituation in Arbeitslosenhaushalten. Sie besitzen abzüglich Schulden gerade einmal ein Nettovermögen von 210 Euro!

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Die Vermögenssituation hängt also nicht zuletzt von der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, sprich „Klasse“ ab. Jedenfalls machen nicht zuletzt diese Zahlen „verständlicher“, warum die ÖVP so vehement für Bankgeheimnis und gegen Vermögenssteuern kämpft. Sie weiß ja genau, wenn’s treffen würde ….

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Links:

EZB-Vermögensstudie (in eglischer Sprache)

Presseaussendung der AK zur EZB-Vermögensstudie

Zusammenfassung der EZB-Vermoegensstudie auf der Homepage der GPA-djp

Ergebnisse der Vermögensstudie der deutschen Bundesbank: Hingewiesen sei hier insbesondere auf den „Tabellenanhang zur Pressenotiz“ der u.a. die nach sozialen Gruppen aufgeschlüsselte Vermögensverteilung für die BRD beinhaltet

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