WIFO-Marterbauer fordert Arbeitszeitverkürzung – und weitere Maßnahmen zur Konjunkurbelebung

Aufhorchen ließ ein Beitrag im Ö 1 Mittagsjournal am 29. 01. 2009. Geladen war Markus Marterbauer, Konjukturexperte des WIFO. Er verlangt einen Kampf um jeden Arbeitsplatz, weil jeder Arbeitsplatz, der verloren geht, nur sehr schwer zurückzubekommen sei. Und als ein Mittel dazu: Arbeitszeitverkürzung.

Um Kündigungen zu vermeiden, seine Modelle zur Arbeitszeitverkürzung, als „defensive Maßnahmen zur Beschäftigungserhaltung“ am wirksamsten, so Marterbauer. Dabei sei Kurzarbeit nicht die einzige Form. Marterbauer fordert neben Arbeitszeitverkürzung vor allem den Ausbau von Bildungskarenzen: „Wenn manche Leute einige Monate oder vielleicht auch ein Jahr in Bildungskarenz gehen, ermöglicht das, dass anderer ihren Job nicht verlieren. Wenn die Krise dann vorbei ist, hätte man die Beschäftigung insgesamt erhalten,“ hob Marterbauer im Beitrag hervor.

Marterbauer beurteilt die österreichischen Konjunkturpaket zwar grundsätzlich gut, doch dauere die Umsetzung zu lange. Vorsichtige Kritik kommt an der Steuerreform: so gehe bei der Steuerreform ein wesentlicher Teil in das obere Einkommensdrittel, das weniger Konsum ankurbelt. Wäre breiter verteilt worden, wären zusätzlich 3.000 Beschäftigte gesichert, so Marterbauer. Nachholbedarf sieht Marterbauer bei Kinderbetreuungsplätzen, deren Ausbau im Investitionsprogramm des zweiten Konjunkturpaketes nicht berücksichtigt sei.

Wir von der AUGE/UG fühlen in unseren Forderungen damit voll bestätigt:

  • Wir wollen einen Rechtsanspruch auf eine Bildungskarenz bei Bezug eines „fiktiven“ Arbeitslosengeldes, mindestens jedoch Grundsicherung.

  • Wir wollen eine Woche Bildungsfreistellung im Jahr

  • Wir wollen einen Rechtsanspruch auf Teilzeit-Bildungskarenz, d.h. das Recht auf Teilzeitarbeit bei gleichzeitiger Inanspruchnahme von Bildungsmaßnahmen

  • Wir wollen umfassende Maßnahmen an Arbeitszeitverkürzung mit einem vollen Einkommensausgleich, jedenfalls für kleine und mittlere Einkommensgruppen – Zielrichtung 30-Stunden-Woche. Schließlich entspräche eine derartig verkürzte Arbeitszeit nicht nur dem EU-weit gewünschten tatsächlichen Arbeitszeiten (Laut Europäischer Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen liegt der Wunsch bei Frauen bei 30,4 Wochenstunden, bei Männern bei 36,8 Wochenstunden, in Österreich etwas höher), sondern wäre auch längst überfällig: Schließlich liegt die letzte gesetzliche Arbeitszeitverkürzung – nämlich auf 40 Stunden/Woche – bereits über 30 Jahre zurück!

  • Wir wollen eine sechste Urlaubswoche, wie sie in vielen Ländern längst Realität ist, alleine schon, um dem steigenden Arbeitsdruck und damit verbundenen „Berufskrankheiten“ wie Burn-Out, Depressionen und Stress ein Mehr an Erholungszeit entgegenzustellen

  • Und wir wollen gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die faire Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten sicherstellen – und da ist der Ausbau von flächendeckenden, qualitativ hochwertigen und leistbaren – am besten wäre natürlich Gratis – Kinderbetreuungsplätzen, vor allem für Unter-3-Jährige und 6 bis 12-jährige ein Gebot der Stunde – was nicht nur Arbeitsplätze schaffen würde, sondern für viele überhaupt erst die Möglichkeit, einer existenz sichernden Erwerbsarbeit nachgehen zu können.

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