Armutszeugnis

Die neuesten Zahlen belegen es: Menschen mit Behinderung sind von Arbeitslosigkeit deutlich häufiger betroffen als sogenannte Gesunde. Von Johann Leisch

Während im Februar die Arbeitslosenzahlen um 5,2 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind, liegt dieser Wert bei Menschen mit Behinderung bei sage und schreibe erschreckenden 13,2 %! Die Steigerung beträgt somit in den letzten 8 Jahren das 5fache der allgemeinen Arbeitslosenzahlen. Erschreckend auch deshalb, da es im Herbst 2010 eine Reform des Behinderteneinstellungsgesetzes gab. Es wurde zwar die Ausgleichstaxe etwas erhöht, gleichzeitig aber auch der erhöhte Kündigungsschutz für Menschen mit Behinderung deutlich gelockert. War früher für eine Kündigung schon ab dem 7. Monat der Beschäftigung die Zustimmung des Bundessozialamts nötig, ist diese heute erst ab dem 49. Monat erforderlich. Der erhöhte Kündigungsschutz war jahrelang ein Argument der Wirtschaft warum so wenige Menschen mit Behinderung eingestellt wurden. Aber was hat sich seither geändert? Lediglich, dass es noch schlimmer geworden ist. Um diese Entwicklung zu stoppen, bedarf es gezielter Maßnahmen. Deshalb fordern wir:

  • eine deutliche Anhebung der Ausgleichstaxe auf ein branchenübliches Durchschnittsgehalt
  • eine Abschaffung der Freikaufsmöglichkeit für den öffentlichen Bereich
  • die Schaffung eines Rechtsanspruches auf persönliche Assistenz
  • eine Informationskampagne für Unternehmungen mit best practice Beispielen

Damit auch Menschen mit Behinderung eine faire Chance am Arbeitsmarkt haben und ein selbstbestimmtes, eigenständiges Leben führen können.


Johann Leisch

Behindertenvertrauensperson der KIV/UG

FSW – Wiener Pflege und Betreuungsdienste

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