Equal Pay Day 2022: Gleicher Lohn – für gleichwertige Arbeit!?


Karin Stanger, AUGE/UG Bundessprecherin

Am Dienstag, den 15. Februar, fand der Equal Pay Day statt. Also jener Tag, bis zu dem Frauen statistisch gesehen im Vergleich zu Männern gratis gearbeitet haben. Es ist unfassbar, dass es 2022 immer noch einen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen gibt. Dabei geht es nicht nur um Diskriminierung, sondern auch um strukturelle Ungleichheit.

Der tatsächliche Equal Pay Day ist der 10. Mai

Berechnet werden für den Equal Pay Day die Einkommensunterschiede von Beschäftigten, die Vollzeit arbeiten. Das macht für die Vergleichbarkeit für die Bezahlung von Arbeitsplätzen Sinn, lässt aber völlig die strukturelle Ungleichheit zwischen Frauen und Männern außen vor. Wenn Vollzeiteinkommen miteinander verglichen werden, ist der Pay Gap bei 12,7 Prozent. Diese Berechnung verzerrt das Bild, weil vor allem Frauen oft Teilzeit arbeiten. Wenn tatsächliche Einkommen miteinander verglichen werden, ist der Pay Gap bei 36 Prozent – und der tatsächliche Equal Pay Day damit am 10. Mai 2022. Um der tatsächlichen strukturellen Ungleichheit gerecht zu werden ist es hilfreicher den Gender overall earnings gap – den Indikator von Eurostat – heranzuziehen, da er Employment-, Pay- und Time-Gap zwischen Frauen und Männern anzeigt. Das heißt es ist zum einen wichtig die Lohnschere zu schließen, zum anderen die strukturelle Ungleichheit zu bekämpfen. 

Lohnschere schließen

Gesetzliche Verbote, gleiche Arbeit ungleich zu bezahlen wären ein großer Schritt. Damit könnte man Unternehmen zwingen, bei Gehaltsunterschieden zwischen Frauen und Männern zu reagieren. Denn sehen Frauen sich mit einem geringeren Gehalt konfrontiert, muss eine Arbeitnehmerin derzeit noch selbst aktiv werden und verhandeln oder klagen. Weiters braucht es eine bessere Einkommenstransparenz. Verpflichtende öffentliche Einkommensberichte auch für Unternehmen mit weniger Mitarbeiter*innen wären eine entscheidende Maßnahme. Zudem braucht es endlich gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Es kann nicht sein, dass viele Branchen in denen Frauen arbeiten, noch immer schlechter bezahlt werden. Hier muss nicht nur innerhalb der Branchen miteinander verglichen werden, sondern auch untereinander, denn die Arbeitslast ist dieselbe. Eine Neubewertung von Arbeit, wie zum Beispiel sie Aufwertung von Sozial- und Pflegeberufen ist notwendig.

Strukturelle Ungleichheit bekämpfen

Im Jahr 2022 sollte es selbstverständlich sein, dass unbezahlte Sorge-Arbeit partnerschaftlich geteilt wird. Mit modernen Elternkarenz- und Elternteilzeit-Modellen müssen rechtlichen Rahmen dafür geschafft werden, um dabei zu helfen traditionelle Geschlechterrollen aufzubrechen. Kinderbetreuung ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Frauen das Ausmaß ihrer Erwerbstätigkeit entscheiden können und nicht aus der Teilzeitfalle direkt in die Altersarmut rutschen. Der Rechtsanspruch auf eine ganztägige, flächendeckende und kostenlose Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr sollte daher in Österreich endlich umgesetzt werden. Eine verpflichtende Väterkarenz und eine Arbeitszeitverkürzung auf eine 30-Stunden-Woche können ebenfalls dazu beitragen die strukturelle Ungleichheit zu bekämpfen.

– Gender overall earnings gap: https://data.europa.eu/data/datasets/u1kdkwojxcrkskyaccjuw?locale=en

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