Gesundheitsminister Anschober geht


Mit den Worten: „ich möchte mich nicht kaputt machen“ aber auch einem „auf Wiedersehen“ hat Minister Anschober am Dienstag diese Woche seinen Rücktritt erklärt.

Dieser Rücktritt kam überraschend oder vielleicht doch nicht so ganz, zeigt uns aber auf alle Fälle, wie belastend und an der Grenze der Arbeitsplatz in der Politik sein kann. Morddrohungen und Polizeischutz inklusive.

Ja, Politik ist kein stressfreier Job und gerade deshalb ist es Rudolf Anschober hoch anzurechnen, mit welcher Offenheit er seinen Rücktritt bekannt gab. „Für Erkrankungen braucht sich niemand zu schämen!“, damit setzte Anschober er ein starkes Statement gegen die Stigmatisierungen von Krankheiten.

Im Zuge der Coronapandemie ist sicher nicht alles perfekt gelaufen, missverständliche, ungenaue Verordnungen, nicht eingespielte Player usw. haben uns als außenstehende Betrachter*innen immer wieder an die Grenzen unseres Verständnisses geführt. Wir wissen nicht, wie es ohne Pandemie gewesen wäre. Und es ist auch unsere Aufgabe als Zivilgesellschaft und Interessensvertreter*innen, Kritik zu üben und Verbesserungen zu fordern.

Aber, Anschober hat auch versucht, Politik anders zu leben:

Noch vor der Pandemie im Februar 2020 fand die erste Beratungsmesse für Alleinerziehende mit dem Namen ‚Alltagsheld*innen‘ statt.

Anschober nahm sich nach seinem Vortrag Zeit und hat lange mit Alleinerziehenden geplaudert, sich ihre Probleme und Lösungsvorschläge angehört.

Auch mit vielen Initiativen kam er ins Gespräch und schaute am AUGE/UG-Stand vorbei.

 

Oder bei der Pflegereform: Er war offen, suchte den Dialog, hat versucht, die Praxis zu hören und miteinzubeziehen. Auch AUGE/UG Vertreter*innen waren in diesen Prozess eingebunden. Er und seine Mitarbeiter*innen verstanden diese als Zugang zur Praxis und waren dankbar für jede Expertise.
Leider ist er dabei oft an seine Grenzen gestoßen, zeitlich, kräftemäßig, aber auch politisch. Nach Monaten der Pandemie, einer aufgeschobenen Pflegereform und weiteren Baustellen wurde er müde. Auch die Energie durch nicht mehr stattfindende persönliche Gespräche fehlte, so teilte es uns Anschober mit. Anschober hat den Kontakt zu den Menschen verloren.

Mit ein Grund war sicherlich der Polizeischutz, aber möglicherweise lag es auch an der vorherrschenden Abgehobenheit der Politik, ohne Persönlichkeit, größtenteils gemacht von Parteisoldaten mit eintrainierten Stehsätzen und message control, mit verpassten Maulkörben und taktischen Spielchen, die dann vielleicht auch noch ohne Maske im Parlament sitzen. Auf Kosten von echter Information, nachvollziehbarer Entscheidungen und sachlichem Know How. Viele Menschen haben dadurch den Kontakt zur Politik verloren und einige davon äußern ihren Unmut, ihre Kritik nicht mehr mit den richtigen Worten und nicht mehr in akzeptabler Weise.

In seiner Rücktrittsrede hat uns Minister Anschober nach langer Zeit wieder Anschober gezeigt, mit ruhiger Sachlichkeit, aber auch einem emotionalem Anteil, mit angesprochenen Fehlern und dem benennen von Schwierigkeiten, mit einer, egal ob wir sie teilen, für uns alle nachvollziehbaren Entscheidung.

Vielleicht würde uns etwas mehr von diesem Zugang zur Politik gut tun.

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