Herausforderung: KV-Verhandlungen in Krisenzeiten


Alfred Stiglbauer, Ökonom und Betriebsrat

Im Finance-Bereich (Banken, Raiffeisenbanken, Sparkassen und Volksbanken) sind derzeit etwa 71.000 Personen beschäftigt – Tendenz seit der Finanzkrise 2008 sinkend. Obwohl die Profitabilität in der Branche im Vorjahr gut war, gestalteten sich die KV-Verhandlungen als äußerst schwierig, weil sie zeitlich mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine zusammenfielen. Manche Banken (z.B. die Raiffeisenbank International) sind stark in Russland vertreten und befürchteten angesichts der Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland hohe Verluste. Dazu kamen von Monat zu Monat stark steigende Inflationsraten, was den üblichen Ablauf bei KV-Verhandlungen in Frage stellt: Normalerweise einigen sich die Verhandlungsparteien auf die zugrunde liegende Inflationsrate, für die üblicherweise die durchschnittlichen Inflationsrate quasi als Untergrenze der zu verhandelnden Lohnerhöhung festgesetzt wird.

In den Finance-Verhandlungen hatte man auf diese Weise einen Wert von 2,8% für die Inflationsabgeltung festgesetzt. Nach zähen Verhandlungen mit insgesamt vier Gesprächsrunden einigte man sich am 28. März auf eine KV-Steigerung in Höhe von 3,25%, was zwar etwa einer durchschnittlichen Lohnsteigerung seit dem Beginn der Herbstlohnrunde entspricht, aber angesichts einer Inflationsprognose von 5,8% für heuer (WIFO) nicht viel ist.

Nicht nur im Finance-Bereich wird man bei den nächsten KV-Verhandlungen vor der Herausforderung stehen, die gestiegene Inflation abgegolten zu bekommen und dies – möglicherweise – vor dem Hintergrund einer gleichzeitigen Verschlechterung der Wirtschaftslage angesichts des Ukraine-Kriegs.

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