Historischer Triumph für Gewerkschaften bei Amazon


Karin Stanger, AUGE/UG Bundessprecherin
Der Onlinehändler Amazon bekommt zum ersten Mal eine Gewerkschaft. Gegen seinen Willen haben sich Mitarbeiter*innen eines Distributionszentrums in New York mehrheitlich für die Gründung einer Gewerkschaft ausgesprochen. Amazon ist hinter dem bislang ebenfalls nicht gewerkschaftlich organisierten Handelskonzern Walmart der zweitgrößte private Arbeitgeber in den Vereinigten Staaten. Das Votum hat somit eine enorme Symbolik. 

Die Meldung der ersten Gewerkschaftsgründung bei Amazon ging um die Welt. Bisher hatte keine Niederlassung von Amazon in den USA es geschafft, eine Gewerkschaft zu bilden. Zwei Jahre, nachdem Chris Smalls von Amazon entlassen worden war gelang es Chris Smalls, was der Online-Vertrieb seit seiner Gründung zu verhindern versuchte: Amazon-Mitarbeiter*innen in den USA stimmten erstmals für die Einführung einer Gewerkschaft

Rauswurf von Vorarbeiter Chris Smalls

Der Konzern sorgt immer wieder für Schlagzeilen, weil Mitarbeiter*innen schlechte Arbeitsbedingungen hatten. Dazu gehörten auch illegale Arbeitsaufzeichnungen, illegale Kontrollen oder das Toilettengänge verboten wurden. Chris Smalls, damals  Vorarbeiter im Amazon-Lager im New Yorker Stadtteil Staten Island hatte davon genug und setzte sich für die Rechte seiner Kolleg*innen ein. Zum ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie 2020 forderte er mehr Schutz vor dem Virus und wurde prompt gekündigt.

Kampagne vor dem Lagerhaus

Smalls ließ sich jedoch nicht entmutigen. Monatelang verteilte er vor seinem ehemaligen Arbeitsplatzes Flugblätter, um sich für eine Gewerkschaft stark zu machen. Auch ein im Vorjahr gescheiterter Versuch hielt den dreifachen Familienvater nicht davon ab, weiter für das Ziel einer Gewerkschaftsgründung zu kämpfen. Das Amazon-Management wehrte sich bis zuletzt gegen die Mitbestimmung der ArbeiterInnen: Lagerhallen wurden mit „Vote No“-Flugblättern gepflastert und die MitarbeiterInnen zu verpflichtenden Informationsveranstaltungen während der Arbeitszeit eingeladen.

Doch am 1. April schließlich gelang der historische Schritt: Die Mitarbeiter*innen im Amazon-Lager stimmten mit 2654 Ja- zu 2131 Nein-Stimmen für die Einführung einer gewerkschaftlichen Vertretung.

Union Busting bei Amazon

Im April vergangenen Jahres scheiterte ein derartiger Versuch in einem Logistikzentrum in Bessemer im Bundesstaat Alabama. Im November gab die US-Arbeitsrechtsbehörde NLRB aber dem Einspruch einer Gewerkschaft statt, die Amazon eine unzulässige Einflussnahme und Regelverstöße vorgeworfen hatte. Das Ergebnis der Abstimmung wurde deswegen annulliert, es wurde eine neue Abstimmung angesetzt.

Amazon setze dafür Methoden des Union Busting (Gewerkschafts-Zerstörung) ein. Dabei geht es um die systematische Bekämpfung, Unterdrückung und Sabotage von Arbeitnehmervertretungen, Gewerkschaften, Betriebsräten und Personalräten. Dazu gehören legale wie auch illegale Methoden wie beispielsweise die ungenehmigte Ausspähung durch Detekteien, die gezielte Diskreditierung oder ungerechtfertigte Kündigung von Arbeitnehmervertretern, die Förderung von arbeitgeberfreundlichen Wählerlisten und die Blockade von Betriebsratswahlen.

Weitere Gewerkschaftsgründungen sind nicht ausgeschlossen

Die Mitarbeiter*innen feiern ihre neue Gewerkschaft und honorierten das Engagement ihres ehemaligen Kollegen. „Wir haben Geschichte geschrieben. Wir sind die erste Gewerkschaft für Amazon in Amerika“, freute sich Chris Smalls selbst über die gewonnene erste Schlacht gegen den Online-Giganten, wie Medien in den USA die Gewerkschaftsgründung bezeichnen.

Weitere Gewerkschaftsgründungen sind nicht ausgeschlossen. Amazon ist auch in Europa nicht gerade bekannt für faire Arbeitsbedingungen. Auch die Tatsache, dass der Großkonzern trotz Rekordumsätzen kaum Steuern zahlt, wird immer häufiger kritisiert. Die AUGEUG und auch der ÖGB fordern seit Jahren bessere Arbeitsbedingungen und eine stärkere Besteuerung des Großkonzerns. Unsere Gewerkschaft  GPA ist Teil einer Allianz gegen den Online-Giganten Amazon mit denselben Zielen.

 

Gruppenfoto ALU mit dem neuen Betriebsratsvorsitzenden Chris Smalls.

(Foto: Amazon Labour Union)

 

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