Klima vor Profit

Viktoria Spielmann am 29.11.2019 beim 4. Weltweiten Klimastreik:

„Wann immer ich mit Menschen über die Klimakrise rede, kommt unweigerlich die Frage auf, wie diese entstanden ist, was die Ursache ist und wie wir sie stoppen können. Mittlerweile scheint es im öffentlichen Mainstream angekommen zu sein, dass der Klimawandel menschengemacht ist.

Deshalb die gute Nachricht: Wir können noch dagegen steuern, auch wenn uns nicht mehr viel Zeit bleibt.
Die schlechte Nachricht? Wir brauchen dafür deutlich mehr als ein paar kosmetische Verschönerungen, die unter neoliberalen wirtschaftlichen Umständen sehr schwer durchsetzbar sind.

Das heutige Motto „Black Friday“ eignet sich daher sehr gut für die Erklärung der Ursache der Klimakrise: Für alle, die den Black Friday nicht kennen: Es handelt sich um einen Freitag in der Vorweihnachtszeit, an dem es den ganzen Tag in gewissen Geschäften oder auf Onlineportalen extreme Rabatte auf Konsumgüter gibt. Das soll die Kaufkraft steigern.

Was hat das nun mit dem Klimawandel zu tun, werden jetzt einige fragen?

Die Antwort ist einfach: Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Umweltverschmutzung und kapitalistischer Produktionsweise. Das derzeitige Wirkschaftssystem der freien Marktwirtschaft funktioniert nach dem Prinzip des Wirtschaftswachstums. Höher, schneller, weiter ist die Devise. Das bedeutet, dass große Konzerne billig und umweltschädlich produzieren. Es bedeutet, dass sie von Umweltverschmutzung und Ausbeutung profitieren und dass sie sich zusätzlich gerne noch Steuerschlupflöcher suchen.

Deshalb können wir zwar gerne drüber reden, was der oder die Einzelne als Konsument_in zur Klimakrise beiträgt, aber das Problem ist weitaus größer als individuelle Konsumentscheidungen.

Nicht die Menschen, die am Black Friday billiges und unter schlechten Umständen produziertes Zeug kaufen, sind das Problem, sondern
– ein Wirtschaftssystem, dass von Umweltverschmutzung profitiert und die Gewinnmaximierung über alles stellt.
– Das Problem ist, dass Menschen mit wenig Einkommen gezwungen sind, billig produzierte Konsumgüter zu kaufen, weil sie sich sonst das Leben nicht leisten können.
– Das Problem ist ein Wirtschaftssystem, das es multinationalen Konzernen ermöglicht, den Regenwald abzuholzen, die Ureinwohner_innen zu vertreiben und Menschen ihre Existenzgrundlage zu entziehen, weil ihnen das Wasser bald buchstäblich bis zum Hals steht.

Das Problem heißt Kapitalismus.

Deshalb brauchen wir einen radikalen öko-sozialen Systemwandel der ökomischen Verhältnisse. Wir müssen neue progressive Steuermodelle entwickeln und diskutieren, die Umweltverschmutzung sanktionieren und die unteren Einkommensschichten massiv entlasten, denn dann – und zwar NUR dann – ist ein Steuersystem sozial.

Noch können wir gemeinsam Handeln! Klima vor Profit! Für einen radikalen Systemwandel!“

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