Personalmangel in der mobilen Pflege – hausgemacht!


Stefan Taibl, Betriebsrat im Sozialbereich, AUGE/UG Arbeiterkammerrat

Nach einer, am letzten Freitag präsentierten Studie des Strategieunternehmens EY liegt besonders im Bereich der mobilen Pflege ein massiver Fachkräftemangel vor. Unter Berufung auf Aussagen der Personalverantwortlichen der größten Träger in der Pflege, ist es immer schwieriger vakante Stellen nachzubesetzen. Die so entstehenden Engpässe führen zu einer Dauerbelastung für die Beschäftigten.

Wir als AUGE/UG sagen schon lange:
Jede*r hat ein Recht auf professionelle Pflege. Um die Mobile Pflege und Betreuung bestmöglich zu gestalten, braucht es eine Reihe von Reformen bei den Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer*innen.

Die für den Personalmangel auschlaggebenden Gründe können auch ohne großartige Studien benannt werden. Gespräche mit den Arbeitnehmer*innen des Bereiches reichen dafür aus. Anhand derer haben die unabhängigen Gewerkschafter*innen gemeinsam mit den Betroffenen klare Forderungen formuliert. Schon vor der Studie haben wir auf den vorherrschenden Notstand hingewiesen. Es gibt Probleme, die zu Berufserkrankungen, einem hohen Abgang aus dem Beruf und auch Armut führen.

Um dem zu begegnen, braucht es ganz besonders:

• Zugang zu Arbeits(hilfs)mittel für die betreuten Klient*innen:
Die Krankenkassen und Unternehmen bzw. Organisationen müssen den Mitarbeiter*innen in vollem Umfang alle Hilfsmittel zur Verfügung stellen, die für ihre Arbeit und die Versorgung der Menschen gebraucht werden. Das betrifft z.B.: Hebelifte zum Transfer, Aufstehhilfen oder sonstige Arbeitshilfsmittel – manche Klient*innen haben keine und können sich diese nicht leisten.
Trotzdem werden sie von den Mitarbeiter*innen der Pflege- und Betreuungsdienste versorgt, unter schwerer körperlichen Belastung. Langzeitkrankenstände und Berufserkrankungen sind die Folge. Kaum jemand erreicht gesund das Pensionsalter.

• Zeit an und mit den Klient*innen:
Die Zeit an und mit den Klient*innen muss auch der Planungshoheit des Fachpersonals vor Ort unterliegen. Es muss genug Zeit für menschliche Kontakte und eine qualitative Betreuungsbeziehung vorhanden sein. Menschen, gerade unter diesen vulnerablen Umständen, aber auch die Mitarbeiter*innen brauchen Zeit für menschliche Kontakte. Wenn unvorhergesehene Ereignisse oder Stimmungslagen eintreten, kann eine getaktete Arbeitszeit nur schaden. Ebenso müssen die Ressourcen der Betreuten gefördert und erhalten bleiben. Dies ist unter getakteten Zeitvorgaben nicht möglich.

• Angemessene Entlohnung:
Die Mitarbeiter*innen verdienen Wertschätzung, auch finanziell, die sie vor Armut während des Berufslebens und Mindestpension unter der Armutsgrenze bewahrt. Die Orientierung sollte am Durchschnittslohn der unselbständig Beschäftigten laut Statistik Austria erfolgen. Und zwar an dem der männlichen Beschäftigten. Die meist weiblichen Beschäftigten der Pflege-Branche leisten genauso viel!

• Dienstplan, Dienstzeiten:
Die Dienstpläne und Dienstzeiten müssen umgestaltet werden, und zwar so, dass sie Mitarbeiter*innen, deren Familien und Freizeit nicht schaden.
Sie müssen so gestaltet werden, dass sie
– Planungssicherheit gewährleisten,
– geteilte Dienste vermeiden,
– ein reguläres Familien- und Privatleben zulassen,
– es Zeiten für Erholung (z.B. regelmäßige Wochenenden und Zeiten ohne Abrufbereitschaft) gibt,
– es ausreichend Personalreserven für Ausfälle und Urlaub gibt;
– alle Zeiten, auch die administrativen und Fahrzeiten, müssen als Arbeitszeit anerkannt und abgegolten werden.

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