türkis-grün: Wissenschaft und Forschung

eine Analyse von Laura Sturzeis, 2. stv. Vorsitzende an der WU Wien und Marion Polaschek, 1. stv. Vorsitzende an der Uni Wien

Positiv fällt auf, dass es sich bei „Wissenschaft und Forschung“ um ein sehr umfangreiches Kapitel handelt und auch viele aktuelle Probleme adressiert werden, wie Ausfinanzierung, Kettenvertragsregel aber auch Teilzeitstudium für Berufstätige. Auch dass die Hochschulverwaltung weiterentwickelt werden soll, lässt hoffen.

Finanzierung: Die mittelfristige Sicherstellung eines ausreichenden Uni-Budgets bis 2027 auf Basis der bereits in der letzten LV-Periode angewendeten ‚Universitätsfinanzierung NEU‘ ist jedenfalls zu begrüßen, v.a. da sie über die Kürze der bisherigen 3-jährigen Leistungsvereinbarungsperioden hinausgeht und damit eine längerfristige Planung auf Ebene der Universitäten und gesamtuniversitär in Österreich möglich macht. Hier sollte aber darauf geachtet werden, dass genügend Spielraum für nötige Adaptionen bleibt, wenn diese auf Basis der Ergebnisse der ersten ‚Universitätsfinanzierung NEU‘ notwendig erscheinen. Zur Erinnerung: Die Unifinanzierung neu wurde als ‚kapazitätsorientierte, studierendenbezogene Universitätsfinanzierung‘ deklariert, was heißt, dass der Erfüllung konkreter Zielwerte (insb. bei der Anzahl prüfungsaktiver Studierender und der Anzahl wissenschaftlichen Personals) für die Finanzierung der einzelnen Hochschule von unmittelbarer Relevanz ist.
Kettenvertragsregel: Dass diese zu reformieren ist, steht seit den EuGH-Urteilen fest. Wichtig ist, dass hier auch tatsächlich die ‚soziale Lage der Betroffenen‘, wie im Regierungsprogramm (S. 305) angeführt, in die Ausgestaltung der Neuregelung gewichtig Eingang findet.
Kritisch gesehen wird die angedachte Reform universitätsinterner Entscheidungsstrukturen, gemäß denen das Verhältnis der drei Leitungsgremien Universitätsrat, Rektorat und Senat überdacht werden soll. So es zu Reformen kommt, sollten diese die Mitbestimmungsmöglichkeiten aller Universitätsangehörigen stärken, anstatt einer stärkeren Hierarchisierung Vorschub zu leisten.
Dezidiert zu begrüßen ist der Miteinbezug der öffentlichen Hochschulen in die Österreichstrategie zum Standort- und Klimaschutz. Um das Rad in zeitlich dringlichen Angelegenheiten des Klima- und Umweltschutzes nicht überall neu zu erfinden, sollte hierbei auf die Einbindung bereits existierender Netzwerke (Allianz nachhaltige Universitäten, Uninetz) geachtet werden.

Evaluierung der dienstrechtlichen Kategorien und Karriereentwicklung: hier muss auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass der Bereich Hochschuladministration und Support mitbetrachtet wird. Schon jetzt gibt es große Probleme gutes und qualifiziertes Personal für die SpezialistInnentätigkeiten zu finden. Interne Karrierewege sind aufgrund der zwingenden Ausschreibeverpflichtung im §109 UG (Universitätsgesetz) von allen neuen Stellen für das allgemeine Personal immer schwerer zu finden. Die Universität ist nicht nur ein Arbeitsplatz für Forschende und Lehrende – sie ist ein hochspezialisiertes Wissensunternehmen und muss auch danach trachten das Know How im Admin- und Support-Bereich auszubauen und zu erhalten. Hier könnte auch eine Qualitätsoffensive im Bereich der Lehre einen großen Beitrag leisten und gleichzeitig gesellschaftspolitische Zeichen setzen.

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