Wenn Adam zur ÖNORM wird …

Maennerfreie ZoneAha: per ÖNORM sollen wir nun zur Rippe des Mannes gemacht werden (s. u.a. Standard, 17.3.2014). „Mitgemeint“ seien Frauen bei der männlichen Sprache ohnehin und daher die eigene Benennung nicht notwendig. Auch ein nachgestelltes .a oder .in beim Titel sei nicht notwendig, weil ja Abkürzungen eh Frauen auch inkludieren.

Ja, merken wir. Deshalb schaut ja die Geschlechter-Gleichstellung in Österreich so aus, wie sie ausschaut. Deshalb belegen wir beispielsweise bei den Einkommensunterschieden EU-weit den zweiten Platz – den zweitschlechtesten, mit dem zweitgrössten Einkommensunterschied wohlgemerkt. Weil die Fraueneinkommen eh mitgemeint sind. Deshalb gibt es ja auch so einen grossen Run von Mädchen auf technische Berufe, weil eh überall so schnell ersichtlich ist, dass Frauen das auch beherrschen und sogar die fachliche und gesellschaftliche Anerkennung dafür in Titel verliehen bekommen.

Das Binnen-I, also, das grosse I im Hauptwort, störe den Lesefluss, meint das Austrian Standard Institute. Also, ehrlich: entweder hat, wen ein Großbuchstabe im Lesefluss stört, eine Leseschwäche – durchaus ernst zu nehmen, aber der/die hat dann nicht nur mit dem Binnen-I ein Problem; die Gross-Klein-Schreibung oder generell das scharfe s abzuschaffen war deshalb aber noch keinem Normungsinstitut ein Anliegen. Oder – was wohl vielmehr der Fall ist – er/sie hat damit ein politisches Problem. Denn, was geschlechtersensible Sprache versucht, ist, Frauen in allen Lebensbereichen und all ihren Kompetenzen nicht nur sichtbar zu machen, sondern insbesondere auch die gedankliche Einbeziehung herzustellen.

Und das kann weh tun. Wenn’s plötzlich nicht nur Helden, sondern auch Heldinnen gibt, nicht nur Professoren, sondern auch Professorinnen, nicht nur Facharbeiter, sondern auch Facharbeiterinnen. Auweia. Da kann’s doch glatt passieren, dass das angeblich schwache Geschlecht doch nicht mehr ganz so schwach ausschaut. Dass die zahlenmässige (männliche) Minderheit plötzlich nicht mehr die fast 100-prozentige Präsenz hat. Da könnt’s ja sein, dass so manches in Frage gestellt wird, was bislang zu wenig hinterfragt blieb. Warum beispielsweise einflussreiche Machtpositionen unverhältnismässig stark in Händen der Geschlechterminderheit liegen. „Sprache dient den Menschen zur Kommunikation und transportiert auf diesem Weg maßgeblich die Weltanschauungen und Wertvorstellungen einer Gesellschaft“, schreibt etwa die Donau-Universität Krems in ihrem Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren. Das ist der Punkt: Wenn die Weltanschauungen und Wertvorstellungen der Normierenden weibliche Heldinnen, Expertinnen, Machthabende, … nicht als Standard haben wollen, lassen sie sie „mitgemeint“.

Nicht mit uns: bis 31. März 2014 kann zum Normen-Entwurf Stellung genommen werden – am Einfachsten per mail an an die zuständige Komitee-Vorsitzende DI.in Dagmar Schermann, d.schermann@austrian-standards.at. Entweder selbst formuliert oder unter Zuhilfenahme dieser Vorlage, die der Verein Österreichischer Juristinnen dankenswerterweise erstellt hat.

Übrigens: wer meint, eine geschlechtersensible Schreibweise sei nicht möglich, weil sie der Rechtschreibung widerspreche, der/die nehme doch die Thüre vnde mache sich abe. Rechtschreibung ist veränderbar!

 

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