Wie die GPA denkt, der Inflation und Armut zu begegnen


Eines der Hauptthemen beim GPA Bundesvorstand war die Teuerung. Und eines der Haupt-Einflussgebiete der GPA, um dem entgegen zu wirken, sind die Kollektivvertragsverhandlungen.

Charly Dürtscher hat die Latte für die Herbstlohnrunden, zumindest verbal, sehr hoch gelegt. Es soll zu einer Abgeltung der Teuerung kommen und zu einem realen Gehaltszuwachs. Zumindest laut seinen Folien. Also kein Abschluss unter dem Jahresschnitt des Verbraucherpreisindex (VPI), der zumeist verwendeten offiziellen Inflationsrate. Die liegt, beim momentan bei einem Stand von knapp 6%. In seiner Präsentation hat er auch erwähnt, dass es bei der Haushaltsenergie eine Preissteigerung von 25 Prozent und bei Nahrungsmittel von 10 Prozent gibt. Außerdem wurde der Euro um 13 Prozent entwertet.

Wir haben ihn dann darauf aufmerksam gemacht, dass immer mehr Menschen in die Armut schlittern und sich Heizen und Nahrungsmittel nicht mehr ausgehen. Der VPI enthält außerdem Artikel, die für kleinere Einkommen nicht relevant sind. Da ist der Mini- oder der Mikrowarenkorb ausschlaggebend. Beim wöchentlichen Einkauf und Haushaltsenergie liegt die Inflationsrate bei 14 Prozent.

Fazit: Um Menschen vor Wohlstandsverlust bis zur Armut zu bewahren, brauchen wir, vor allem für kleinere Einkommen, mehr als den VPI, deutlich mehr. Und es sollten die, für kleinere Einkommen, relevanteren Inflationsraten herangezogen werden. Sonst werden die selbst gesteckten Ziele (Teuerungsabgeltung, Reallohnzuwachs) nicht erreichbar sein.

Die Antwort von Charly Dürtscher war: Haben wir noch nie gemacht, kommt nicht in Frage. „Man kann ja nicht plötzlich aus irgendwelchen Gründen die Inflationsrate des VPI als Verhandlungsausgangspunkt in Frage stellen.“ Sind Armut und die überdurchschnittliche Teuerungsbelastung also „irgendwelche Gründe“, mit denen wir uns nicht beschäftigen müssen? Selbst wenn wir Wissen, dass es dann für viele Einkommen und kleine Haushalte nicht reichen wird?

Wir fordern: Systemänderung statt Symptombekämpfung

Ein weiterer Punkt war „Preise runter!“ Die Regierung soll endlich etwas tun, so der Tenor der GPA. Auch die GPA Forderung, Mehrwertsteuer runter, wurde präsentiert. Wenn die Löhne höher wären oder steigen würden, wäre die Mehrwertsteuer auch kein Problem! Ich persönlich zahle gerne Steuer und finde das auch wichtig. Wie weit kommen wir, wenn wir also Symptombekämpfung anstatt Systemänderung verlangen? Es braucht eine Umverteilung im Sinn von höheren Löhnen. Es braucht eine Steuer auf Wertschöpfung, die vielerorts schon automatisiert erfolgt. Es brauch Regulative in der Ressourcenverteilung und im gerechten Zugang zu Ressourcen. In diese Richtung zielen die Forderungen der GPA noch viel zu wenig. Millionärssteuer? Was macht Millionäre täglich reicher? Da sollten wir ansetzen.

Ebenfalls gefordert wurde eine Betragssumme als Gehaltssteigerungen, die für alle Beschäftigten einer Branche gleich ist, weil wir sonst die Lohnschere unter den Beschäftigten immer weiter aufmachen. Ein Konter dazu, von einem Betriebsrat der Metallindustrie, war: Die hoch verdienenden bei ihm seien zu 80 Prozent Gewerkschaftsmitglieder. Die anderen interessieren ihn nicht. Dazu war dann der Kommentar von Charly Dürtscher, dies sei allen Gremien selbst überlassen. Auch dazu muss ich kritisch anmerken, wir haben viele Gewerkschaftsmitglieder, zB in den mobilen Diensten, mit wenig Einkommen. Wo ist da die Solidarität? Gerade von einem stellvertretenden Bundesvorsitzenden einer Gewerkschaft, der mit vielen KV´s betraut ist, hätte ich mir da eine klare Stellungnahme erwartet! Es ist einfach ein blinder Fleck der GPA, dass mit jedem Prozentabschluss die Lohnschere unter den Beschäftigten größer wird. Das sollten wir endlich mal angehen.

Fazit: Als Gewerkschaft sind wir, in der offiziellen Richtung zahm. Selbst wenn die Armut sogar im Mittelstand ankommt, wollen wir uns nicht weiterentwickeln. Solidarität ist ein zu wenig gelebter Wert. Was braucht es denn noch? Ist Armut egal?

Wir, von der AUGE/UG haben das stark kritisiert. Und werden dranbleiben. Aber, wir müssen mehr werden, die bereit sind, aus einer Gewerkschaft eine Innovative Kraft zu machen.

Join the AUGE/UG – change the Union!

Nachtrag: Beim Heimweg war im Radio ein Bericht, dass die Pfandleihen einen Zustrom wie noch nie haben. Auch beim Mittelstand. Beim Hinweg gab es schon einen Radiobericht über soziale Einrichtungen, die von Menschen überlaufen werden. Auch wieder bis in den Mittelstand. Wie geht sich das dann bei kleineren Einkommen aus?  Geht das an der GPA vorbei? Wir haben, über die KV´s, dafür Verantwortung.

Die AUGE/UG setzt sich ganz klar für eine Lohnsteigerung ein, die die reale Teuerung der Menschen ausgleicht.

Und das ist deutlich über dem VPI!

Ein Kommentar von Stefan Taibl und Karin Stanger

 

 

 

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